Ein Schmuckstück:

Die Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit

Aus anderer Sicht:

Unsere Pfarrkirche!

Liebe LeserInnen!

Vor einigen Jahren gründete sich auf Initiative des ehemaligen Pastors Stephan Gerber ein Team, das den Menschen unserer Pfarrei und darüber hinaus die Entstehung unserer Dreifaltigkeitskirche und ihre Entwicklung näher bringen wollte. Dies geschah über Monate hinweg in fortlaufenden Serien: von der Entstehungsgeschichte der Pfarrkirche über das Leben des Malerpastors Christoph März bis zur Beschreibung seiner Gemälde.Ursprünglich wurden diese Texte im Pfarrbrief veröffnetlicht, sie finden aber auch hier ihren Platz.

Wir hoffen und wünschen den LeserInnen, dass die entstanden Texte interessanten Lesestoff bieten.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Autorenteam: Fr. Christa Altmeier-Kuß, Fr. Margot Baus & Fr. Andrea Schulz

Von Anfang an ...

Die Entstehungsgeschichte

Anno 1898, am 1. Mai, wurde in Wiebelskirchen eine selbständige Seelsorge mit eigenen Gottesdiensten eingerichtet. Aber, dass noch einige Jahre ins Land gehen mussten, bevor die Kath. Pfarrei errichtet und mit dem Bau der Kirche begonnen werden konnte, hatte man nicht gedacht. Es dauerte noch 15 Jahre bis die Pfarrei errichtet wurde und dann drei Jahre später mit dem Bau der Pfarrkirche begonnen werden konnte.

Während dieser Zeit fanden die Gottesdienste im sogenannten Betsaal statt. Dieser Betsaal wurde als Notkirche 1898 am neu erbauten Pfarrhaus in der unteren Etage eingerichtet und mit primitiven Bänken ausgestattet. (Das spätere Pilgerstübchen, das mittlerweile abgerissen wurde.)

Hier entstand die heutige Dreifaltigkeitsgemeinde, die mit vielen Spenden und Helfern unser heutiges, herrliches Gotteshaus entstehen lassen konnten.

Am 29. Mai 1915 wurde durch Dechant Hansen und Dechant Johann Schütz der Grundstein für die Pfarrkirche gelegt. Zwei Monate nach Ausbruch des Weltkrieges wurde mit dem Bau begonnen, den der Architekt Peter Marx aus Trier geplant hatte. Der Bau im neuzeitlichen Barockstil wurde während der gesamten Kriegsdauer nicht unterbrochen und Ende September 1914 als Rohbau fertig gestellt.

Am 4. Juni 1916 konnte die Dreifaltigkeitskirche durch Herrn Weihbischof Dr. Antonius Mönch aus Trier eingeweiht werden. Die Kirche fasst 1500 Personen und wurde aus 600 000 Bausteinen errichtet. Bis 1923 wurden 10 Fenster in der Hauptkirche, 6 Fenster im Chorraum, 2 Kriegsgedächtnisfenster und das Turmfenster fertiggestellt. Der Unterbau des Altars besteht aus Sandstein und Marmor. Die damalige Kommunionbank wurde aus kunstvoller Holzschnitzerei hergestellt. Die "Krönung" der Kirche, die 3, später 4 Glocken aus der Glockengießerei Humpert und Hamm läuten seit 1924 zum Gottesdienst.

Der Künstler:

Malerpastor Christoph März

Christoph März wurde am 13. April 1867 als ältestes von 5 Kindern in Schweich an der Mosel geboren. Nach der Volksschule besuchte er das Jesuitengymnasium in Trier und begann 1891 sein Studium der Theologie am dortigen Priesterseminar. 1895 wurde er von Bischof Korum zum Priester geweiht. Danach war er vier Jahre Kaplan in Püttlingen. Am 20. April 1899 wurde März zum Pastor in Eschfeld (Dekanat Kyllburg / Bitburg) berufen. 32 Jahre betreute er die Pfarrei bis zu seinem Tod. Überrascht waren damals die 400 Katholiken über ihren jungen Pastor. Er zeigte sich ungeheuer aktiv und überraschte seine Pfarrangehörigen mit stets neuen Ideen. Neben seinem naturwissenschaftlichen Interesse, hier vor allem die Astronomie, beschäftigte er sich mit Musik. Er selbst spielte Violine, Klavier und Orgel.

Es verwundert nicht, dass er im ersten Winter in der Eifel einen Kirchenchor gründete, dem er 15 Jahre als Chorleiter vorstand. 1901 rief Pastor März zusätzlich ein Blasorchester ins Leben. Sein Interesse galt auch dem Komponieren. Insgesamt sind 215 Tonwerke von ihm verzeichnet, darunter mehrere vierstimmige Messen, aber auch volkstümliche Lieder.

Seine große Leidenschaft war seit frühester Jugend das Malen. Bereits drei Monate nach Dienstantritt reiste März nach Düsseldorf, um Privatunterricht im Zeichnen zu nehmen. Nach weiteren Studienreisen mit den Zielen Südtirol, Berlin und Paris begann er 1906 mit der Ausmalung der Eschfelder Pfarrkirche. Die Einwohner von Eschfeld, die bei ihm vorbeischauten, mussten oft Modell dafür stehen. An diesem umfassenden Werk arbeitete der Malerpastor bis 1921. In der Zwischenzeit unternahm er viele Reisen, u. a. innerhalb Deutschland, ans Nordkap oder nach Ägypten und Palästina, auf denen viele Skizzen entstanden. Um seine Seelsorgepflicht nicht zu vernachlässigen, kümmerte er sich stets um Urlaubsvertretungen für seine Gemeinde. Das Geld für die Reisen und Materialien verdiente er selbst mit dem Verkauf von Gemälden, die Bauernhäuser oder alltägliche Dinge wie Mühlen oder Hausgeräte darstellten.

1929 zog Pastor März in das neu gebaute Pfarrheim in Eschfeld um und begann auch dort im Inneren direkt mit Ausmalungen. Beim Bemalen der Außenwand im Jahr 1931 stürzte er von der Leiter und verstarb einige Tage später im Prümer Krankenhaus.

Neben der Pfarrkirche von Eschfeld malte März noch weitere Kapellen und Kirchen in der Eifel an. Das nach Eschfeld größte und umfangreichste Werk schuf er aber in Wiebelskirchen.

Christoph März in Wiebelskirchen:

Die Ausmalung der Kirche

Nach dem Bau der kath. Pfarrkirche im Jahr 1915/16 fanden sich in dem neobarocken Bau nur drei Barockaltäre und eine geschnitzte Kommunionbank. Die Decke wies einige Stuckverzierungen auf, bot dem Maler aber viele Großflächen zum Gestalten seiner künstlerischen Ideen.

Bereits im Juli 1922 hatte März das 8m² Kreuzigungsbild für die Kirche gemalt. Es ist die einzige Kreuzigungsszene, die er je gemalt hat, und die dem kleinen Rubensbild in der Alten Pinakothek in München nachempfunden ist.

So beauftragte Dechant Johannes Schütz nun Pastor März mit der Ausgestaltung des Innenraumes. Wichtig bei der Durchführung seiner Arbeit war dem Maler, dass sich die Bilder in die Architektur einfügen. Die narrative Malweise seiner Gemälde sollte für den Kirchenbesucher auch gleichzeitig Katechese sein. Am 9. Oktober 1923 begann März mit der Ausmalung der Wiebelskircher Pfarrkirche mit KEIM’schen Mineralfarben. Er richtete sich mit seinen Gemälden nach dem Namen der Kirche „Dreifaltigkeit“:

Der Chor bildet die Wohnung und Opferstätte Gottes. Gott Vater, als Schöpfer der Welt, und weitere Ereignisse des Alten Testamentes finden sich im Querschiff. Im Haupt- und Langschiff sind Szenen zur Verherrlichung Gottes Sohnes, Jesus Christus, aus der Schrift und in der Kirchengeschichte dargestellt. In den Fensterkappen und Seitenwänden des Hauptschiffes wirkt der Heilige Geist in und durch Menschen aus Bibel, Kirche und Welt. Auf der Empore befinden sich Bilder von Persönlichkeiten, die einen Bezug zur Musik haben, und das jüngste Gericht.

Der Malstil von März entspricht einer linearen Objekt- und Personenbeschreibung, die durch das Weglassen der Hintergrundfarbe Gold auch keine räumliche Tiefe erreicht. Diese Tiefe wurde, z.B. den Bildern des Hl. Wendalinus und  von Pastor Schütz im Querschiff, im Rahmen der Restaurierungsarbeiten in den 60-er Jahren eingearbeitet. Viele Bilder und Details verschwanden allerdings während dieser Arbeiten. Früher waren der Chorraum und das Querschiff viel üppiger ausgemalt.

Den Humor von März kann man auch in seinen Bildern erkennen. So malte er sich selbst als Skelett, das aus dem Grabe aufersteht, in die „Auferstehung der Seligen“ neben der Orgel. Am 9. Oktober 1925 schloss der Malerpastor März die Arbeiten an der Kirche ab und schrieb im November noch einen Kirchenführer mit der Beschreibung der Bilder. Sein eigenes Urteil lautete: „Mir scheint die Arbeit in Anbetracht der Kürze der Zeit gelungen zu sein, manches sogar sehr gut. [...] Die Gesetze der Anatomie, Komposition, Farbenharmonie und Perspektive sind befolgt."

Im Blick nach vorn:

Der Chorraum

Der Chor der Kirche war bis zum 2. Vatikanischen Konzil der Raum für den Hauptaltar, an dem auch (mit dem Rücken zu den Gläubigen) die Messe gefeiert wurde. Im Zuge der Liturgiereform wurde ein weiterer Altartisch geschaffen, der in unserer Kirche bis ins so genannte Querschiff der Kirche reicht.

Der Chorraum gilt im theologischen Sinn als „Opferstätte und Wohnung Gottes“. Die christlichen Zeichen hierfür sind Brot und Wein – „Leib und Blut“ Christi. Der Hochaltar mit dem Tabernakel (lateinisch „Zelt, Hütte“) ist Aufbewahrungsort für die geweihten Hostien. Damit symbolisiert der Chorraum gewissermaßen den Himmel. Deshalb durften in den jüdischen Tempeln nur die Hohenpriester den Altarraum betreten. Er war dem Blick der Gläubigen durch einen Vorhang verborgen und brachte zum Ausdruck, dass dies „Raum Gottes“ war. Erinnern wir uns an die biblische Geschichte des Hohenpriesters Zacharias, der beim Verlassen des „Allerheiligsten“ seine Sprache verlor (stumm geworden war), weil er nicht an die Verheißung Gottes glauben wollte, dass ihm und seiner Frau im späten Lebensalter ein Sohn geboren werde.

Mit Jesus gewinne die Beziehung Gottes zu den Menschen eine neue Qualität. In der Sprache der Bibel kommt das zum Beispiel in der Passionsgeschichte zum Ausdruck, wenn der Evangelist schreibt, beim Tod von Jesus sei „der Vorhang des Tempels…“ zerrissen. Das bedeutet, es gibt keinen abgeschotteten Raum mehr zwischen Gott und den Menschen, sondern Gott ist in eine direktere Beziehung zu den Menschen getreten.

Im Verlauf der Kirchengeschichte gab es immer wieder Zeiten, in denen diese neue Qualität der Verbindung zwischen Gott und Mensch nicht im Blick war. In der Ostkirche wird übrigens auch heute noch der Altarraum mit einer Bilderwand, der so genannten Ikonostase, verborgen und während des Gottesdienstes nur zur Kommunion geöffnet. Die besondere Bedeutung des Chorraumes innerhalb jeder Kirche wird auch bei Pfarrer März, dem Maler der Kirche, deutlich: Er gestaltet diesen Bereich mit großen musizierenden Engeln. Sie singen gewissermaßen zum Lobe Gottes, und jeder von ihnen spielt ein Instrument: Posaune, Viola, Tamburin, Glockenspiel, Trommel, Harfe und Flöte sind dabei! Pfarrer März schreibt in seinem Kirchenführer von 1926: „Die Farbenharmonie der einzelnen Engel wie auch ihres Gegenstückes auf der anderen Seite ist wohl erwogen.“ Und er bezieht sich auf Psalm 148 der Bibel „Lobet den Herrn vom Himmel her, lobet ihn in der Höhe, lobet ihn all seine Engel…“ sowie Psalm 150 mit der Aufzählung verschiedener Musikinstrumente.

Das heutige Deckengemälde im Chorraum entstand im Zuge der Renovierung im Jahr 1960. Die von Pfarrer März gestalteten sechs Gruppen musizierender Engelsputten wurden damals übermalt und durch das Bild eines einzelnen Engels mit Monstranz ersetzt. Auch die Gemälde der Seitenwände wurden zu dieser Zeit überstrichen, da man wohl der Meinung war, es seien zu viele Bilder im Altarraum vorhanden.

Im Zentrum des Chorraums:

Der Hochaltar

Die Informationen sind dem Kirchenführer entnommen, den Pastor Peter Diederich i.R. geschrieben hat. Sie sind mit Erläuterungen des ehemaligen Pastors Stephan Gerber ergänzt.

Der Hochaltar wurde beim Bau der Kirche bei Bildhauer Mettler aus Morbach (Hunsrück) in Auftrag gegeben. Im Jahr der Fertigstellung der Kirche wurde zunächst der Altartisch errichtet. Er besteht hauptsächlich aus Marmor und Sandstein. Im Jahr 1922 folgte der Altar-Umbau, der aus Holz konstruiert, aber passend zum Unterbau marmorartig bemalt ist. Die Verbindung des mittleren und oberen Altarteiles ist durch je drei Säulen links und rechts geschaffen. Davor stehen aus Lindenholz geschnitzte und creme-gold bemalte Statuen.

Auf der linken Seite die Hl. Katharina von Siena (die gemalt auch in einer der linken Fensterkappen im Mittelschiff der Kirche zu sehen ist) und der Hl. Franz von Sales. Rechts sehen wir Johannes den Täufer (als Malerei auch an der rechten Seitenwand des Mittelschiffes abgebildet) und die Hl. Elisabeth von Thüringen (an der rechten Seitenwand des Mittelschiffes). Pastor Johannes Schütz (Seelsorger in Wiebelskirchen von 1898 bis 1934), der den Hochaltar stiftete, hat diese Figuren in Erinnerung an seine Eltern (Elisabeth und Franz) sowie seine Geschwister (Katharina und Johannes) ausgewählt.

In der Mitte des Hochaltar, beginnend über dem Tabernakel, hat Pfarrer März, ein großes Altarbild gemalt, das Jesus am Kreuz darstellt und dem Bild des bekannten Malers Peter Paul Rubens (1570 - 1640) nachempfunden ist. Das Original befindet sich in der Alten Pinakothek in München. Die Füße von Jesus sind von einem goldenen Pelikan umfangen. Diese Tierfigur, die auf dem vergoldeten Baldachin des Tabernakels sitzt, ist ein in der religiösen Mythologie gern verwendetes Symbol für Jesus. Der Pelikan nähert seine Jungen mit dem eigenen Blut, damit sie überlegen. Damit erinnert er an den Tod Jesu, der sich nach christlicher Glaubensüberzeugung für die Menschen „geopfert“ hat, damit sie das ewige Leben haben. Über dem Altarbild schwebt eine Taube – als Symbol für den Heiligen Geist. Der Altar schließt mit einem Relief ab, das Gott Vater darstellt. Das gesamte Ensemble ist somit als „Heilige Dreifaltigkeit“ gestaltet, entsprechend dem Namen der Kirche.

Im Fuß des Altartisches ist ein lateinischer Spruch eingemeißelt: „Accendat in nobis Domus ignem sui amoris et flamman aeternae caritatis“ („Möge in uns der Herr das Feuer seiner Liebe und die Flamme ewiger Hochachtung entzünden“).

Vor den Treppen des Hochaltars steht seit der Liturgiereform nach dem 2. Vatikanischen Konzil die frühere Kommunionbank. Vorher befand sie sich ab ihrer Fertigstellung im Jahr 1920 am vorderen Rand des Chores, oberhalb der Treppenstufen. Die Gläubigen knieten sich vor der Bank, und der Priester reichte ihnen die heilige Kommunion. Die Kommunionbank ist aus Holz geschnitzt und zeigt Reliefs mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, die auf die Eucharistie Bezug nehmen: links zunächst der Prophet Elija, der unter einem Strauch liegend in der Wüste sterben will, dann aber von einem Engel Brot und Wasser erhält und mit dieser Stärkung den Berg Horeb erreicht (AT: 1 Kön 19,4-8). Es folgt das „Paschamahl“, das die Israeliten nach ihrer Befreiung aus der Unterdrückung in Ägypten feierten. Bis heute wird bei den Juden jedes Jahr das Fest des Paschamahls begangen; in Erinnerung daran wird bei den Christen in der Osternacht der entsprechende Auszug aus dem Buch Exodus (Kap. 12) als Lesung vorgetragen. Die dritte Szene zeigt die Speisung des Volkes Israel mit „Manna“ (Exodus 16). Auf dem weiteren Teil der Kommunionbank sind das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, die „wunderbare Brotvermehrung“ und der römische Hauptmann, der Jesus um die Heilung seines Knechtes bittet, dargestellt.

Rechts vor der Kommunionbank steht das Taufbecken aus einem weißen, mit goldfarbenen Mustern versehenen Stein. Das Taufbecken stand in früheren Jahren im Bereich des Haupteingangs der Kirche.